Medium:
ZooFachTrend

Gattung: Fachzeitschrift / Heimtierbranche
Artikel: Kolumne
Ausgabe: 2/2010

Für das Branchenmagazin schreiben wir regelmäßig eine Kolumne.

Dieser absolut subjektive, kritische und ironische Beitrag wurde von der justBE Werbeagentur GmbH verfasst. Wie alles im Leben kann er ernst zu nehmende Komponenten beinhalten und darf durchaus zum Nachdenken oder Nachvollziehen einladen.

 



Vollständiger Textbeitrag:

Vom Balzen, Werben und langen, wunderbaren Beziehungen …

Die Tage werden länger, die Röcke wieder kürzer, die Absätze höher. Da wird flaniert, was das Zeug hält und geglitzert, dass es eine wahre Pracht ist. Die Balztracht wird ergänzt durch Ohrgehänge, Nasen-, Lippen-, Brauenpiercings und ganz, ganz wichtig - eifriges Telefonieren mit oder Tippen in ein Handy zeigt deutlich die Rangfolge im Rudel und demonstriert gleichzeitig die eigenen technischen Fertigkeiten. Und das geschieht alles am besten auf den einschlägigen Plätzen in der Stadt.
Hasen, denen Temperaturen wohl völlig egal sind, treffen sich schon ab dem Winter auf einem Hasenrammelplatz. Ein Dutzend oder mehr kommen dort zusammen, um der Nachwuchserzeugung zu frönen und sich dabei gegenseitig vor Freßfeinden zu schützen. Dabei sehen sie, abgesehen von ihren wilden Tänzen, so wie immer aus.
Waghalsige Demonstrationen der Körperkraft kennt man ja, wenn durch wirklich festen Tritt auf das Gaspedal der Motor laut aufheult. Wow! Doch viel beeindruckender verhält sich der kalifornische Kolibri. Die Männchen stürzen sich vor den Augen ihrer Angebeteten wie ein Kampfpilot in die Tiefe, sie vergeht vor Angst, und wenn er dann wieder auftaucht, heiratet sie ihn gleich vor lauter Erleichterung.

Chinchillas dagegen verwenden mangels Flügeln Pheromone, um die Balz zu unterstützen und ihre Paarungsbereitschaft anzuzeigen. Es folgt eine aufwändige Balzkette mit genauem, wie ritualisiert wirkendem Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz.

Männliche Bartagamen liegen oft erschöpft und wie tot im Terrarium, wenn sie ihre Balz erfolgreich beendet haben. Kein Wunder, ist dies doch mit einem heftigen Stampftanz verbunden.
Die wenigsten Tierarten bilden trotz des jährlichen, kräftezehrenden Balzmarathons länger andauernde Partnerschaften. Ein leuchtendes Beispiel an Treue ist hier der Trauerschwan. Er ist sehr monogam, denn Balzen ist anstrengend, Treue dagegen energiesparend. Die verbleibende Kraft kann umso konzentrierter in die Vermehrung gesteckt werden – das Ziel aller Balzbemühungen.
Ständig neue Kunden anzuziehen, kann ebenso aufwändig sein. Effizienter und kräftesparender ist es, die vorhandenen so aufmerksam zu behandeln, dass sie sich einen anderen (Geschäfts-)Partner gar nicht mehr wünschen. Dann reicht, wie auch im Tierreich, ein freundliches Kopfnicken zur Aufrechterhaltung einer glücklichen, fruchtbaren und langen Beziehung. Und wenn man sich dann noch in der örtlichen Presse als treuer Partner aller Tierhalter präsentiert, sind dem Umsatznachwuchs kaum Grenzen gesetzt.